Meine naturverbundene Reise durch die Raunächte
Ich bin mit einer gewissen Erwartung in die Raunächte gegangen – und habe sie bald wieder losgelassen. Stattdessen habe ich mich von der Natur führen lassen. Begleitet hat mich ein Buch, das mir Halt gab, ohne mich festzulegen. Was geblieben ist, sind keine riesigen Erkenntnisse, sondern kleine Verschiebungen. Ein anderes Tempo. Mehr Vertrauen. Und die Erfahrung, dass auch ein stilles Dabeisein genug ist.
Zu Beginn meiner Reise war da noch die Frage: wie schaffe ich es, mir in den Weihnachtsfeiertagen Zeit für mich zu nehmen? Wie werde ich langsamer und ruhiger nach all den Vorbereitungen, nach den ganzen Familien-Treffen und zwischen meinem Geburtstag? Müsste ich für die Raunächte nicht in einer magischen Stimmung sein?
Die Raunächte zu zelebrieren, war mir bis vor zwei Jahren noch fremd. Letztes Jahr (2024/25) hatte ich mich zum ersten Mal von Kathrin Blums Buch „Raunächte“ leiten lassen. Ich schätze an dem Buch die Naturverbundenheit, mit der wir uns durch die Raunächte begleiten lassen können.
Mich ganz allein auf die im Buch vorgestellten Rituale einzulassen, war für mich der richtige Weg. Ja, ich hatte Hemmungen, etwas falsch zu machen oder zu hohe Erwartungen zu haben. Auch wenn Kathrin Blum immer wieder schreibt, dass es kein richtig oder falsch gibt.
Und ich scheue mich vor (Jahres)Rückblicken. Die Frage „Was hast du geschafft, was erreicht?“ löst Leistungsdruck in mir aus. Doch um Leistung geht es in den Raunächten nicht. Es geht nicht um Fehlersuche und Optimierung. Als ich meinen ganz persönlichen Rückblick auf mein Jahr 2025 dann wagte – in der Natur, in der Kälte, in der Dunkelheit, im Gehen und im Stillwerden – fühlte es sich nicht nach Versagen an. Ich fand meinen Schmerz des Jahres – und ich fand meinen Schatz des Jahres. Für mich eine wertvolle und tröstende Erfahrung, die ich so nicht erwartet hatte.
Ich habe mich in der Zeit zwischen den Jahren dem «Draußen sein» hingegeben, bin Schritt für Schritt in die Dunkelheit gegangen. Ich habe meinem Körper erlaubt, mich zu führen. Mein Kopf, der nach Sicherheit und Kontrolle sucht, durfte dabei leiser werden. Ziellos und orientierungslos zu sein, fühlte sich zunächst fremd an – und wurde dann zu einer sanften Erfahrung von Vertrauen.
Auf meinem Sitzplatz in der Natur in meine Umgebung einzusinken, fiel mir nicht immer leicht. Gerade in der Dunkelheit. Und doch hat sich etwas verändert. Ich habe ein «Angekommen sein» gespürt – zu meiner unmittelbaren Umgebung, die ich nach einem Jahr des Hier-Seins nun wirklich Zuhause nennen kann.
Ich habe ein Stück weit die Kontrolle losgelassen. Habe mir erlaubt, orientierungslos zu sein, langsam zu sein. Bin eingesunken in das bewusste Dazwischen-Sein: Das alte Jahr ist noch nicht ganz vorbei, das neue noch nicht da.
Und vielleicht ist genau das die Einladung dieser Zeit. Sich keinen Druck zu machen. Keine Regeln erfüllen zu müssen. Sondern sich von der Natur berühren zu lassen. Bei Sonne, bei Wind, bei Kälte oder auch in der Dunkelheit. Denn die Natur öffnet uns einen Raum für tiefe Verbindung zu uns selbst, den unser Kopf allein nicht erreichen kann.
Die Raunächte haben mich getragen. Sie haben mir Ruhe geschenkt. Und leisen Mut, der nicht nach vorne drängt, sondern im Inneren wächst.
Ich habe erfahren, dass Verbindung nicht entsteht, wenn ich etwas „richtig“ mache, sondern wenn ich bereit bin, mich berühren zu lassen. Von der Natur. Von der Dunkelheit. Und von dem, was in mir lebendig ist – auch dann, wenn es unfertig oder schmerzhaft erscheint.
Diese Tage zwischen den Jahren haben mich daran erinnert, dass Übergänge keine Antworten brauchen. Dass es Zeiten gibt, in denen es genügt, präsent zu sein. Still. Wach. Im Dazwischen. Das alte Jahr noch nicht ganz losgelassen, das neue noch nicht betreten.
Ich gehe aus diesen Raunächten mit mehr Ruhe, mit einem leisen Mut und dem Gefühl, getragen zu sein. Und mit dem Vertrauen, dass das Leben seinen eigenen Rhythmus kennt – auch dann, wenn ich ihn noch nicht verstehe.
Vielleicht ist das das größte Geschenk dieser Zeit:
zu spüren, dass ich nichts beschleunigen muss.
Dass alles werden darf.
Und dass auch ein stilles Dasein genug ist.
Mehr zu Kathrin Blum und ihren Büchern findet ihr auf ihrer Website: Raum für Geschichten


